Friedrich Simmel und Franz Pfeiffer erhalten ERC-Grants

EU fördert Forschung am Physik-Department

2016-04-25 – Nachrichten aus dem Physik-Department

Zwei Forscher des Physik-Departments waren in der aktuellen Vergaberunde der ERC-Grants erfolgreich. Die beiden interdisziplinären Projekte sind an den Schnittstellen von Physik und medizinischer Anwendung beziehungsweise Physik und Biologie angesiedelt und versuchen auf ihre Weise wissenschaftliches Neuland zu betreten. Vor wenigen Jahren wären die ambitonierten Projekte so noch gar nicht möglich gewesen.

Mikrometer kleine Tröpfchen einer Emulsion bilden winzige Reaktionsgefäße für biochemische Prozesse.
Mikrometer kleine Tröpfchen einer Emulsion bilden winzige Reaktionsgefäße für biochemische Prozesse. – Bild: Friedrich Simmel, TUM

Die ERC-Grants (Forschungspreise) des European Research Council (ERC) zählen zu den angesehensten Forschungsförderungen in Europa. Sie werden in drei Kategorien vergeben: Starting Grants für vielversprechende Nachwuchswissenschaftler, Consolidator Grants für Forscher, deren Promotion sieben bis zwölf Jahre zurückliegt, und Advanced Grants für exzellente etablierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in den letzten zehn Jahren Spitzenleistungen vorzuweisen haben. Die Fördersumme eines Grants beträgt bis zu 3,5 Millionen Euro.

Insgesamt erhielten Forscherinnen und Forscher der TUM neun ERC-Grants; zwei davon gehen ans Physik-Department. Hier sind Prof. Friedrich Simmel und Prof. Franz Pfeiffer erfolgreich. Ein weiterer Preis ging an die Fakultät für Informatik und die übrigen an die Fakultät Medizin.

Der Wettbewerb um die EU-Förderung ist sehr hart: Dieses Jahr hatten sich für die Advanced Grants knapp 2000 Projekte beworben, doch europaweit wurden über alle Fachgebiete nur 277 Anträge bewilligt. Das Physik-Department der TUM war schon bei den bisherigen Förderrunden sehr erfolgreich: Seit 2008 verzeichnet es damit bereits 15 ERC-Preise.

Weitere Informationen zu den Forschern und ihren Projekten

Prof. Dr. Friedrich Simmel

Prof. Friedrich Simmel
Prof. Friedrich Simmel

Friedrich Simmel, Mitglied des Physik-Departments, widmet sich der Bionanotechnologie und der Physik synthetischer biologischer Systeme. Forschungsschwerpunkte sind künstliche molekulare Maschinen und Strukturen aus biologischen Molekülen sowie das Design künstlicher biochemischer Regelkreise.

In seinem durch den ERC Advanced Grant geförderten Projekt möchte Friedrich Simmel neue Wege zur Herstellung intelligenter, dynamischer Mikrostrukturen aus Polymergelen und Nukleinsäuren beschreiten. Die etwa zellgroßen Komponenten sollen sensorische und informationsverarbeitende Fähigkeiten haben und abhängig von ihren lokalen chemischen Randbedingungen unterschiedliche Materialien produzieren können.

Ein weiterer Ansatz ist die evolutionäre Entwicklung und Optimierung von RNA-basierten molekularen Schaltern und Nanostrukturen. Von molekularen Evolutionsprozessen abgeleitete Verfahren sollen dabei eine Vielfalt von unterschiedlichen Komponenten erzeugen, aus denen durch künstliche Selektion die für eine Aufgabe am besten geeigneten ausgewählt werden. Ziel sind makroskopische Materialien, die durch DNA-programmierte Intelligenz neue Eigenschaften für Gebiete wie die Umweltsensorik oder Biokatalyse bereitstellen oder als adaptive Materialien autonom neuartige Funktionen ausüben können.

Friedrich Simmel ist seit 2007 Ordinarius für Bioelektronik an der TUM. 2013 wurde er in die acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften aufgenommen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft machte Simmel bereits 2002 zum Emmy Noether-Nachwuchsforscher.

Siehe auch:

Prof. Dr. Franz Pfeiffer

Prof. Franz Pfeiffer
Prof. Franz Pfeiffer

Franz Pfeiffer, Mitglied des Physik-Departments, erhält einen Advanced Grant zum weiteren Ausbau seiner Arbeiten auf dem Gebiet der biomedizinischen Röntgenphysik.

Röntgenaufnahmen sind aus der Medizin nicht mehr weg zu denken. Doch bisher wird nur die Absorption der Röntgenstrahlung für die Bildgebung benutzt. Bei Weichgewebe, etwa der Lunge, reicht der Kontrast zwischen gesundem und krankem Gewebe für eine frühe Diagnostik nicht aus. Erst wenn massive Schäden eingetreten sind, kann der Arzt diese auch im Röntgenbild erkennen.

Seit vielen Jahren experimentiert Franz Pfeiffer daher mit monochromatischer Röntgenstrahlung die es erlaubt, neben Absorptionsbildern auch Phasenkontrast- und Dunkelfeldbilder zu erzeugen. Im Fokus des vom ERC unterstützten Projekts steht insbesondere das Dunkelfeld-Verfahren. Ausgehend von bereits realisierten Aufnahmen mit lebenden Kleintieren soll das Verfahren so weiter entwickelt werden, dass die Dunkelfeld-Computer-Tomographie auch in die Klinik eingeführt werden kann. Vor allem für die Diagnose von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD), an der viele Millionen Menschen in Europa leiden, könnte diese Methodik einen großen Fortschritt bringen.

Franz Pfeiffer folgte 2009 dem Ruf als Lehrstuhlinhaber für Biomedizinische Physik an die TUM. 2011 wurde er mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. Auch der ERC fördert Pfeiffer nicht zum ersten Mal: 2009 wurde ihm bereits ein Starting Grant zugesprochen.

Siehe auch:

Kontakt

Prof. Dr. Friedrich C. Simmel
Technische Universität München
Am Coulombwall 4a, 85748 Garching, Germany
Tel.: +49 89 289 11612
Prof. Dr. Franz Pfeiffer
Technische Universität München
James-Franck-Str. 1, 85748 Garching
Tel.: +49 89 289-12551 (Büro)
Tel.: +49 89 289-12552 (Sekretariat)

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